generationlab zum Frauentag

Das generationlab des Instituts für Jugendkulturforschung geht mit vielen neuen Forschungsthemen in den Frühling 2017. Anlässlich des Internationalen Frauentags nehmen wir in einem aktuellen Special für Sie darüber hinaus Frauen aus der Post-68er-Generation ins Visier.

  • generationlab zum Frauentag: Die Post-68erinnen − Daten und Fakten
  • Mehr dazu lesen Sie hier in unserem „Expert-Flash”

 

Her World: generationlab-Studie zeigt Post-68erinnen als politisch desillusionierte Frauengeneration, die sich für eine neue Kultur des Alter(n)s rüstet

Die Frauen der Post-68er-Generation erlebten in jungen Jahren die frauenpolitische Aufbruchstimmung der 1970er Jahre hautnah: Die „Neue Frauenbewegung“, die sich aus der „Neuen Linken“ abgespalten hatte, brachte mit teils spektakulären Aktionsformen weit über feministische Kreise hinaus eine Debatte um Gleichberechtigung der Geschlechter in Gang und machte den „Internationalen Frauentag“ zum Tag einer alle Frauen einschließenden internationalen Frauensolidarität.

Die 1970er veränderten die Lebensrealitäten vor allem junger Frauen: In Österreich brachte das Jahrzehnt aus frauenpolitischer Sicht wichtige Reformen wie die Familienrechtsreform, die Scheidungsreform, straffreien Schwangerschaftsabbruch und das Gleichbehandlungsgesetz. Die Bildungschancen für junge Frauen hatten sich verbessert. Mainstream-Medien wie die „Brigitte“, eine der damals populärsten Frauenzeitschriften, griffen die „Frauenfrage“ auf, so drang Frauenpolitik in die Welt der Frauenzeitschriften-Leserinnen vor. Doch was ist aus der Frauengeneration, die in den 1970ern gerade dabei war, privat wie beruflich Fuß zu fassen, geworden?

Die Antwort ist ernüchternd: Politikdistanzierte und in frauenpolitischen Fragen eher enttäuschte Best-Agers, das zeigen Exklusiv-Daten aus dem generationlab des Instituts für Jugendkulturforschung.

 

Post-68erinnen sind politisch desillusioniert

  • Nur 9% der 55- bis 65-jährigen Österreicherinnen haben Vertrauen in die Politik.
  • 40% der Post-68erinnen trauen keiner Parlamentspartei zu, die Probleme des Landes zu lösen.
  • 82% treten für Pensionssplitting ein: eine Maßnahme im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit, die den durch Kindererziehungszeit entstehenden finanziellen Verlust zumindest teilweise reduziert, und zudem ein Beitrag gegen Altersarmut jener Frauen, die aufgrund der Kinderbetreuung nicht ausreichend Pensionsversicherungsansprüche erworben bzw. Pensionsversicherungsbeiträge eingezahlt haben, um materiell gesichert in ihren dritten Lebensabschnitt zu gehen. Seitens der Politik bemerken die Post-68erinnen allerdings kaum Ambitionen, das derzeit freiwillige Pensionssplitting zu popularisieren oder frauenpolitisch gar größer zum Thema zu machen.

In der frauenpolitischen Debatte herrscht heute Stagnation. Frauenpolitik wird zunehmend auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie reduziert. Oft gewinnt man den Eindruck, es gehe dabei vor allem um ein pragmatisches „Handling“ von Mehrfachbelastungen. Was in der Frauenpolitik fehlt, sind große sozialpolitische Visionen. Vieles bleibt beim Lippenbekenntnis und sobald es um Maßnahmen geht, die ökonomische Benachteiligungen ausgleichen und damit soziale Ungleichheit abfedern, verstummt die Debatte plötzlich, wie man am Beispiel des Pensionssplittings sieht.

Auch um die einst viel beschworene Frauensolidarität ist es still geworden, was die Desillusionierung so mancher Post-68erin vermutlich noch bestärkt. Die „Töchter der feministischen Revolution“ geben sich emanzipiert, aber nicht feministisch. Junge Frauen aus der Millennial-Generation konzentrieren sich großteils lieber auf ihre persönlichen Erfolgsgeschichten, als Systemkritik zu üben. Weder Ausbruch, noch Aufbruch, sondern ein wettbewerbsorientiert-angepasster Individualismus bestimmt heute die persönlichen Lebensentwürfe junger Frauen.

 

Frauen aus der Post-68er-Generation definieren das Älterwerden neu

Indessen rückt für Frauen der Post-68er-Generation das Thema „Älterwerden“ in den Vordergrund. Wie die generationlab-Studie des Instituts für Jugendkulturforschung zeigt, positionieren sich 55- bis 65-jährige Österreicherinnen als Protagonistinnen eines „aktiven Alterns“ und sind dem digitalen Zeitgeist weitaus weniger fern, als man ihnen in der öffentlichen Debatte gerne unterstellt:

  • Für 84% der 55- bis 65-jährigen Österreicherinnen gehört Sport betreiben zu einem gesunden Lebensstil
  • 61% machen mindestens einmal in der Woche Sport/Bewegung, um sich fit zu halten.
  • Digitale All-Age-Media sind für immer mehr Frauen der Best-Ager-Generation aus dem persönlichen Alltag nicht mehr wegzudenken: 47% der 55- bis 65-jährigen Österreicherinnen nutzen täglich WhatsApp.

Weitere interessante Fakten zu Frauen der „Post-68er-Generation“ sowie Vergleichsdaten mit jungen Frauen aus der Gruppe der Millennials und Männern beider Generationen finden Sie in unserem Studienpaket „Post-68er vs. neosoziale Zeitgeistsurfer: 16- bis 29-jährige und 55- bis 65-jährige im großen Generationenvergleich“ – lesen Sie mehr …