generationlab: Frau trifft Alter

Frauen aus der Mid-Ager-Generation als Protagonistinnen einer neuen Kultur des Alter(n)s

Dr. Beate Großegger stellte im Rahmen der Konferenz Frau trifft Alter: Gesundheit zwischen Rollenklischees, Altersbildern und Unsichtbarkeit am 27.9.2017 Exklusiv-Ergebnisse aus der Generationenforschung des Instituts für Jugendkulturforschung vor.

 


 

Zum Vortrag von Dr. Beate Großegger:

  • „Her World − Post-68erinnen als Protagonistinnen einer neuen Kultur des Alter(n)s”

Unsere Gesellschaft läuft im Jugendmodus: Wer jung, fesch und fit ist, darf mit Aufmerksamkeit, Anerkennung und Erfolg rechnen. Älterwerden ist in unserer Gesellschaft hingegen ein Vermeidungsszenario, auf Alter reagiert man mit „Igitt“. Besonders zu spüren bekommen dies ältere Frauen. Und als „älter“ gilt frau spätestens mit 55.

In Alltagssituationen, am Beziehungsmarkt, vor allem aber am Arbeitsmarkt machen Mid-Agerinnen die Erfahrung, dass sie aufgrund ihres Lebensalters als nicht mehr „konkurrenzfähig“ gelten. Während Männer – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung – im Alter eine „reife Persönlichkeit“ entwickeln, werden Frauen im Blick der Öffentlichkeit einfach nur „alt“. In Wirklichkeit sieht die Sache allerdings völlig anders aus, wie eine aktuelle generationlab-Studie des Instituts für Jugendkulturforschung zeigt. Frauen der Post-68er-Generation, die zwischen 55 und 65 Jahre alt sind, mischen die Karten heute nämlich neu. Wer etwas genauer hinsieht, bemerkt schnell, dass sie Protagonistinnen einer neuen Kultur des Alter(n)s sind.

Diese Frauengeneration, die in ihren jungen Jahren die frauenpolitische Aufbruchstimmung der 1970er Jahre hautnah miterlebte, steuert heute auf ihren dritten Lebensabschnitt zu und ist dem Zeitgeist dabei weitaus weniger fern, als die öffentliche Debatte unterstellt. Ein gesunder Lebensstil, Sport und Ernährungsbewusstsein sind für die Mehrheit ein fixer Bestandteil des Alltags. Und auch digital sind die Post-68erinnen durchaus am Puls der Zeit: WhatsApp und Facebook werden ganz selbstverständlich als Kommunikationsschnittstelle zu den Jungen genutzt, nicht jedem „digitalen Hype“ wird deshalb aber hofiert. Auf Gesellschaft und Politik blicken die Post-68erinnen kritisch – wohl auch deshalb, weil sie sich an dem Punkt im Lebenszyklus, an dem sie aktuell stehen, mit ihren Hoffnungen wie auch mit ihren Sorgen und Ängsten nicht ausreichend wahrgenommen fühlen.

Altersarmut bzw. mangelnde materielle Existenzsicherung im dritten Lebensabschnitt sind vor allem bei jenen, die aufgrund von Kindererziehungszeiten nicht ausreichend Pensionsansprüche erworben haben, ein heißes Thema, was längerfristig auch negative Folgen für Wohlbefinden und Gesundheit befürchten lässt. Dem Ideal einer selbstbestimmten, aktiven Lebensgestaltung – auch und gerade im Alter – bleibt diese Frauengeneration dennoch treu. Sie repräsentiert demnach eine interessante Mischung an Zugängen zum Thema „Älterwerden“. Welche Chancen damit verbunden sind, aber auch welche Risiken sich für den dritten Lebensabschnitt der Post-68erinnen daraus ergeben, stellte Beate Großegger in ihrem Vortrag kritisch zur Diskussion.

 

Thematisch vertiefende Fortbildungsangebote des Instituts für Jugendkulturforschung im Herbst 2017

  • Intensiv-Seminar „Zielgruppe Best-Agers: Kommunikation mit der Generation 60+” (Wien), Veranstalter: Institut für Jugendkulturforschung/generationlab in Kooperation mit Bernd Marin, tfactory und „Do it! Communications”− mehr Infos
  • Intensiv-Seminar „Wege aus der Krise: Zukunftschancen für Jung und Alt” (Wien), Veranstalter: Institut für Jugendkulturforschung/generationlab in Kooperation mit Bernd Marin und tfactory − mehr Infos
  • Intensiv-SeminarNeue Kulturen des Alter(n)s: Zwischen Jugendkult und Pflege-WG” (Wien), Veranstalter: Institut für Jugendkulturforschung/generationlab in Kooperation mit Bernd Marin, tfactory und „Do it! Communications”− mehr Infos