Armin Großegger

Jugend und Zeitgeist

Jugendliche haben einen anderen Zugang zur Welt als Erwachsene. Und sie haben auch die Fähigkeit mit dem, was neu in diese Welt kommt, deutlich entspannter umzugehen als ältere Generationen.

Dr. Beate Großegger analysiert „Jugend“ in ihrem aktuellen Dossier aus der Perspektive der Generationenforschung und zeigt sie in ihrer Rolle als AkteurIn des sozialen und kulturellen Wandels.


 

„Erwachsene haben einen Tunnelblick“: das Problem der Generationen

Die Welt verändert sich und mit ihr verändert sich natürlich auch die Jugend. So gesehen ist es ganz normal, dass Jugendliche heute anders „ticken“ als noch vor zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahren. Und es ist auch normal, dass es für Erwachsene nicht immer leicht ist, bei den Entwicklungen, die die Jugend nimmt, am Ball zu bleiben. Politische, soziale, ökonomische und technologische Veränderungen drücken unserer Zeit ihren Stempel auf und die Art und Weise, wie junge Menschen darauf reagieren, scheint zumindest einen Teil der Erwachsenen zu verunsichern.

Beate Großegger charakterisiert die Jugend, anknüpfend an Karl Mannheims Generationentheorie, als einen Motor des sozialen und kulturellen Wandels. Sie skizziert das „selbstexperimentierende Leben“, das Jugendliche führen, durch den Zeitgeist geprägt. Die heute Jungen erleben ihre Jugend in einer anderen „Zeitheimat“ als ihre Vorgängergenerationen und sie werden in ihrem Denken, Fühlen und Handeln demnach auch anders geprägt. Berührungsängste mit neuen Kulturformen sind ihnen (eher) fremd und auch im Hinblick auf gesellschaftliche Entwicklungen geben sie sich oft erstaunlich entspannt.

Wiederholt wurde darauf hingewiesen, dass heute vor allem Medien- und Konsumerfahrungen Einfluss darauf haben, wie Jugendliche „ticken“. Jugendlichen innerhalb der Generationenordnung lediglich die Rolle als Technologie- und Style-Trendsetter zuzuweisen, hält Großegger allerdings für unzureichend. Das jugendliche Lebensgefühl und die sich daraus ableitenden Handlungsorientierungen werden, entgegen der gängigen Meinung, nämlich nach wie vor sehr stark durch gesellschaftliche Entwicklungen geprägt – angefangen bei der Migrationsgesellschaft, über den Strukturwandel der Arbeitswelt bis hin zu sich verändernden sozialstaatlichen Rahmenbedingungen für gelingende Lebensführung. Und alles in allem zeigt sich dabei, dass die viel zitierte „Generation Facebook“ zugleich auch ein „Kind der Krise“ ist.

 

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Aus dem Inhalt:

  • Karl Mannheim und das „Problem der Generationen“
  • Kultur und Gesellschaft verändern sich und mit ihnen auch die Jugend
  • Jugend – „selbstexperimentierendes Leben“ im Spiegel des Zeitgeistes
  • Moden, Trends und soziokultureller Wandel: Die Rolle Jugendlicher als InnovatorInnen

 

Die Autorin:

  • Dr. Beate Großegger ist wissenschaftliche Leiterin und stv. Vorsitzende des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien sowie Lehrbeauftragte an mehreren österreichischen Universitäten. Sie gilt über die Grenzen Österreichs hinaus als Expertin für jugendliche Lebenswelten.

 

Weiterführend zum Thema:

  • Die große Generationenmonitor-Studie des Instituts für Jugendkulturforschung − Issue #1 bis #4 › Generationengerechtigkeit & „better life“ › alternde Gesellschaft  › aktivierender Staat & Gesellschaft im Wandel  › Generationenbilder & Lifestyle − lesen Sie mehr